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Google befiehl, wir folgen nicht

Wie kürzlich auf Einfach für Alle berichtet und auch uns schon länger bekannt, treiben diverse Spammer ihr Unwesen nun auch in Weblogs mit Kommentar-Funktion. Das ist so neu nicht, bekommt aber angesichts der Tatsache, dass sich nun Google, Yahoo und Microsoft der Thematik angenommen haben, einen ungeahten Medien-Hype.

Worum es geht

Dosenfleisch aus Übersee: SpamEs geht um Suchmaschinen, Ranking, Backlinks und all die schönen bunten Begriffe des Suchmaschinen-Marketings. Kommentar-Spam funktioniert so: Ein automatisches Programm durchsucht das Internet nach Weblogs eines bestimmten Herstellers und befüllt kurzerhand im Schnelldurchgang alle Artikel mit einem Kommentar und einem Link auf ein bestimmtes Angebot. In der Regel finden sich hier die gleichen Spam-Produkte wieder, wie auch bei E-Mails: Online-Casinos, Viagra und dergleichen mehr. Die Rechnung der Spammer beruht auf einem Algorithmus, der mit der Popularität bestimmter Internetseiten zusammenhängt. Weblogs sind zumeist mit einer hohen Popularität gesegnet. Folgerichtig würden die Spammer hiervon profitieren, wenn ein Link von einer populären Seite auf die von ihnen beworbene Seite zeigen würde. Dieser Prozess multipliziert mit Millionen von Weblogs und schon ist klar, was hier passiert.

Spam-Abwehr

Kommtar-Spam abzuwehren ist nicht allzu schwierig, wenn man sein Weblog auf dem aktuellesten technischen Stand hält. Wir haben das am eigenen System erfahren dürfen und sind nun besser gegen Spammer geschützt durch mehrere Systeme, die ineinandergreifen. Zum einen profitieren wir von einer Blacklist, wo auffällige Spammer oder Spam-Wörter auftauchen, zum anderen können wir aber auch auf einen Modus umschalten, der nur von uns autorisierte Kommentare durchlässt. Bisher haben wir auf diese Funktion verzichtet, würden aber bei stärkerem Spam-Befall sofort umschalten. Letzte Möglichkeit: das Kommentieren ganz verbieten, wenn es nicht anders geht. Auch das mussten wir schon tun, bevor wir die Abwehr richtig aufgestellt hatten.

Das Google-Prinzip

Um Spammern das Wasser abzugraben hat Google eine tolle Idee: Man nehme das Attribut rel und versehe es mit dem Wert nofollow. Das ergibt dann ein rel="nofollow" und soll das Vererben von Popularität (bei Google nennt sich das PageRank) verhindern. Das Spam-Problem wäre damit wohl nicht gelöst, dafür aber viele ehrliche Kommentierer bestraft. Und noch etwas schimmert hindurch: Google und die anderen Suchmaschinen-Anbieter hätten ein Mittel, um Weblogs eindeutig zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Denn bisher hat Google keine Möglichkeit, Weblogs zu identifizieren und entsprechend zu bewerten. Das dürfte dem Neu-Börsianer ein Dorn im Auge sein.

Barrierefreiheit und Google

Vielleicht ist Google doch nicht mehr der beste Freund. Denn mit dem Griff nach dem rel-Attribut hat man sich scheinbar auch vergriffen, wie auf den Seiten von Webpropaganda zu lesen ist:

Die HTML4-Spezifikation sagt zum Link-Attribut rel sinngemäß: Dieses Attribut beschreibt die Beziehung des aktuellen Dokumentes zum verlinkten Dokument, das im href-Attribut festgelegt ist. (HTML 4.01 Specification.) nofollow existiert in diesem Zusammenhang nicht. [...] Semantisch gesehen irgendwie blödsinnig, denn die Beziehung zwischen zwei Dokumenten als "nicht folgen" zu bezeichnen...

Zudem können Konflikte entstehen, wenn man mit den Attributen rel="external" oder rel="internal" arbeitet und diese nicht mehr verwenden kann, weil schon rel="nofollow" belegt ist.

Fazit

Nein, das Gelbe vom Ei ist die Google-Lösung nicht. Sie zielt vielleicht auch in eine ganz andere Richtung und nutzt nur die Gunst der Stunde. Zudem wird hier eine unverhältnismäßige Gleichmacherei angestrebt, die ehrenwerte Kommentare und Verlinkungen bestraft. Überdies wird das Problem der Spam-Kommentare nicht gelöst, es wird nur das Prinzip Unwissenheit durch das Prinzip Hoffnung ersetzt. Oder wie der Volksmund so schön sagt: Das ist wie mit Kamillentee. Es hilft nicht, es schadet aber auch nicht.

20.01.05 | 17:18 Uhr | Ansgar | nach oben



Kommentare

Heise schrieb am 21.01.05 um 00:17 Uhr:

Natürlich hilft Kommentar: Er hat nämlich eine sehr wichtige und sehr reale _psyschologische_ Funktion. Es ist auch mehrfach in Studien erwiesen worden, dass man mit Placebos auch echt kranken Menschen helfen kann...

Denk mal drüber nach


Ansgar schrieb am 21.01.05 um 09:30 Uhr:

Kommentare helfen in jedem Fall. Wir meinten auch eher, dass der Google-Aktionismus zum nofollow-Attribut in unseren Augen so etwas wie Blendwerk ist. Zumindest sollte man darüber einmal nachdenken.


/T schrieb am 21.01.05 um 11:01 Uhr:

>> nofollow existiert in diesem Zusammenhang nicht.

Stimmt, dieser Wert existiert nicht. Schönen Gruß an die Kollegen von Webpropaganda, die sollen mal die Specs bis zu Ende lesen. Dort finden wir unter http://www.w3.org/TR/html40... "Authors may wish to define additional link types not described in this specification". "[...] described in this specification" wiederum bezieht sich auf die Liste unmittelbar davor, die mit den Worten eingeleitet wird, daß es sich bei den Werten nur um Vorschläge handelt, man könnte auch andere nehmen. Die von euch angepriesenen "internal" und "external" existieren genausowenig.

Und den Satz zu den Konflikten verstehe ich auch nach mehrfachem angestrengtem Nachdenken nicht. Wo durch könnte hier bitte ein Konflikt ausgelöst werden, wenn ich frei vergebbare Werte frei vergebe?


Ansgar schrieb am 21.01.05 um 11:08 Uhr:

Stimmt. Man kann eigene Relations definieren (siehe internal und external). Aber "nofollow" ist nun wirklich keine Relation, in der ein Dokument zu einem anderen steht, oder?

Und zum Thema Konflikte: ich kann ja nicht hergheen und <a href="hallowelt.php" rel="external" rel="nofollow" title="Hallo Welt">Linktext</a> haben ... aber vielleicht mag ich ja Kommentar-Links genauso kennzeichnen, zumindest 90% aller Kommentare.


/T schrieb am 21.01.05 um 13:53 Uhr:

Auch hier hilft wieder ein Blick in die Specs: "In the DTD, %LinkTypes refers to a space-separated list of link types"

Soll heissen: rel="external nofollow" ist absolut legal.


Klaus Langner schrieb am 19.10.06 um 19:48 Uhr:

Valid hin, legal her: wenn es die Spammer zurückhält, erfüllt es doch einen guten Zweck, oder ?


ein Informatiker schrieb am 07.11.06 um 23:43 Uhr:

Dieser Artikel ist zwar schon 2 Tage (eher Jahre) älter, aber ich hinterlasse trotzdem mal meinen Senf dazu :) Ich persönlich bin erst mit Blogs ("normale" Webseiten natürlich schon vorher) in Berührung gekommen, als es dieses Attribut bereits gab und ich muss sagen, dass ich es für extrem nützlich halte. Es sind doch zahlreiche kleine und große Faktoren im Zusammenhang mit dem Ranking von Webseiten bekannt. Durch nofollow reduziert man nicht nur den Spam in Blogs, Foren und Gästebüchern, sondern man kann dieses Attribut auch anderweitig sehr sinnvoll einsetzen. Mit Hilfe dieses Attributes kann man bestimmte Unterseiten aus den Suchmaschinen-Indexen heraushalten (z.B. Zugriffsstatistiken, Loginseiten usw.), man kann (theoretisch) Crosslinking vermeiden und man kann auch bedenkenlos mal eine Seite verlinken, die man sonst nicht verlinken würde. Sinnvoll ist der Einsatz dieses Attributes auch, wenn man auf eine Unterseite einer Domain verlinkt, deren URL sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ändern könnte - tote Links werden schließlich auch für eigene Dokumente negativ gewertet und das will schließlich auch niemand ;) Wenn man z.B. ein besonders schlechtes Beispiel irgendwofür im Netz entdeckt hat, dann möchte man dies auch nicht weiterempfehlen. Ein Link ist aber eine Empfehlung - erweitert durch ein nofollow ist dieser Link zwar immer noch nutzbar, aber eben keine solche Empfehlung mehr. Auch wirkt sich das nofollow nicht negativ aus, ein nofollow-Link ist nichts weiter als ein absolut neutraler Link, der (von einigen der großen Suchmaschinen) einfach nur nicht gewertet wird - nicht positiv, aber auch nicht negativ. Insofern bin ich der Meinung, dass die Vorteile durch nofollow bei weitem die Nachteile überwiegen und man muss es ja nicht immer und überall verwenden, sondern sollte es nur an geeigneten Stellen verwenden. Wer es mit dem nofollow übertreibt und gar keine Links mehr herausgibt, wird auch bestraft - man sollte die heutigen Algorithmen von Google (und sicherlich auch einigen der anderen Sumas) nicht unterschätzen ;)


4bid schrieb am 01.02.08 um 09:30 Uhr:

Unter dem Blickwinkel des Informatikers am 07.11.06 um 23:43 Uhr, kann man NOFOLLOW auch aus einer ganz anderen Perspektive sehen.


SirHuckleberry schrieb am 31.07.08 um 23:40 Uhr:

Google befiehl, wir folgen nicht

so der Titel des Artikels, dessen Glaubwürdigkeit dann wieder ad absurdum geführt wird. Enthalten doch alle Kommentar-Links hier das nofollow-Attribut.
Herzlichen Glückwunsch. Die Wahrheit sieht wieder einmal anders aus:
Google befiehlt .. alle rennen hinterher.
Die Zeit machts halt, wer sich nicht fügt, stirbt!?


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