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Typo3 barrierefrei - Schüttelreim oder große Kunst?

Die eierlegende Wollmilchsau vieler Webentwickler in deutschen Internet-Landen heißt seit mehreren Jahren Typo3. Was einst als Content Management System in den Händen von Kasper Skårhøj begann ist inzwischen zu einem der umfangreichsten und meistgenutzten Content Management Frameworks im Open Source Bereich angewachsen. Ist Typo3 wirklich für jeden Anwendungsfall geeignet - zum Beispiel für Websites mit BITV-Konformität?

Orientierung im Irrgarten

Logo: Typo3 - get content rightNatürlich kann ein solcher Artikel nicht alle Anwendungsfälle abdecken. Deshalb konzentrieren wir uns auf den Anwendungsfall eines Gemeinde- oder Stadtportals mit Barrierefreiheits-Anspruch (BITV-Konformität). In diesem Zusammenhang können wir auch gleich mit mehreren Irrtümern aufräumen, die häufig mit Typo3 in Verbindung gebracht werden. Einige dieser Aussagen treffen natürlich auch auf andere Open Source Systeme zu, die unter der GPL stehen und einen ähnlichen Anspruch wie Typo3 haben.

Irrtum 1: Typo3 ist kostenlos

Das stimmt so nicht ganz. Richtig ist, dass Typo3 frei ist. Gemeint ist aber kein frei im Sinne von Freibier, sondern im Sinne von "freie Meinungsäußerung". Kostenlos ist es zwar auch, allerdings nur dann, wenn man alles an Typo3 selbst durchführen kann, von der Installation bis zur Anpassung der Systemfunktionen an die persönlichen Bedürfnisse.

Ein System, das sowohl für kleine und zum Teil private Websites als auch für hochdynamische und mit anderen Systemen vernetzte Unternehmensportale eingesetzt wird, verlangt nach zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten. Was derart variabel angelegt ist, ist in der Regel auch komplex. Das wiederum schreit nach Experten, die sich mit den zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten von Typo3 auskennen und für Ausnahmefälle bestens gerüstet sind - denn davon gibt es beim Arbeiten mit Typo3 eine Menge. Eigentlich ist der Ausnahmefall sogar die Regel, denn jede Website ist anders, jeder Anwendungsfall speziell und die Vielfalt der Lösungsmöglichkeiten fast unermesslich. Kurzum: Die Software selbst ist zwar frei und kostenlos, die Anpassung kostet jedoch Zeit und Geld, meist sogar beides und im schlimmsten Fall auch eine Menge Nerven.

Irrtum 2: Typo3 macht alles ganz einfach

Prinzipiell sollte jedes Content Management System die Arbeit der Redakteure vereinfachen. Und zwar ohne Kenntnisse in HTML, Programmierung und anderen technischen Finessen. Typo3 eignet sich dafür in besonders hohem Maße. Allerdings muss man Typo3 dazu individuell anpassen und das wiederum ist Expertensache. Nicht nur bei der Anpassung selbst, sondern insbesondere bei der Analyse der Arbeitsprozesse und der Systemumwelt. Eine derartige Beratung wird von erfahrenen Agenturen im Rahmen der Evaluation eines geeigneten Content Management Systems durchgeführt, denn nicht immer ist Typo3 die optimale Lösung. Bleiben wir aber bei Typo3 und halten fest, dass es möglich ist, die Arbeit mit Typo3 zu erleichtern, allerdings nur auf Kosten von individuellen Anpassungen, die nicht immer so einfach sind, dafür aber später die alltägliche Arbeit mit dem Content Management System auf Anwenderebene einfacher und so auch kostengünstiger gestalten.

Irrtum 3: Typo3 bietet Module für jeden Anwendungsfall

Beim Relaunch von Websites benehmen sich manche Kunden wie übermütige Kinder am Buffet: Die Augen sind größer als der Hunger und am Ende bleibt die Hälfte unangetastet auf dem Teller zurück. Auch hier gilt: Die sorgfältige Analyse im Vorfeld hilft dabei, die richtige Modulpalette zusammenzustellen und natürlich auch Kosten zu sparen, indem man sich auf die wichtigsten Anwendungsfälle fokussiert.

In der Tat bietet Typo3 ein schier unerschöpfliches Repertoire an Erweiterungen und Modulen, die man auch untereinander kombinieren kann und die Individualisierung der eigenen Website bis auf die Spitze treiben kann. Doch nicht jede Erweiterung bietet standardmäßig genau das, was ein Kunde gerne hätte. Spätestens jetzt ist individuelle Anpassung gefragt und damit ein Experte, der sich mit Typo3 und dem entsprechenden Modul auskennt. Am besten sogar noch mit dem Zusammenspiel der einzelnen Module untereinander und den Auswirkungen der individuellen Anpassungen auf zukünftige Updates - denn notdürftige Flickschusterei bei der Anpassung rächt sich spätestens beim nächsten Versionswechsel von Typo3 oder der Erweiterung selbst.

Deshalb ist es in manchen Fällen einfacher, kostengünstiger und damit effizienter, eine eigene Erweiterung für den speziellen Anwendungsfall zu entwickeln.

Ganz schön individuell ...

Typo3 ist immer dann gut, wenn es individuell angepasst wird. Erst dann kommen die Vorteile des Content Management Frameworks richtig zur Geltung, denn Typo3 bildet wirklich nur das Grundgerüst, mit dem erfahrene Agenturen und Entwickler dann das System für den konkreten Anwendungsfall kreieren. Dadurch ist jede Website mit Typo3 eine spezielle Lösung - zumindest dann, wenn die Pflege der Inhalte später im Alltag auch ohne Mühe von der Hand gehen soll. Und nur dann wird ein Content Management System auch angenommen, werden Inhalte gepflegt und bleiben Websites lebendig.

Was hat das aber alles mit Barrierefreiheit zu tun? Eine ganze Menge, wie wir finden. Im Prinzip müssen alle oben geschilderten Irrtümer aus dem Weg geräumt und durch den Kunden verstanden werden. Denn Barrierefreies Webdesign kann man nicht als Modul in Typo3 integrieren, bei dem alle Inhalte dann entsprechend den Anforderungen der BITV ausgegeben werden. Das wäre zwar schön und wünschenswert, entspricht aber überhaupt nicht der Realität! Und dennoch erleben wir es jeden Tag in Pressemitteilungen, bei Kundengesprächen und in Anfragen: Barrierefreies Webdesign wird allzu oft als Automatismus (Modul, Erweiterung) für teures Geld verkauft. Besonders häufig im Zusammenhang mit Typo3.

Das Geschäft mit der Unwissenheit

Früher warnte Eduard Zimmermann in seiner Sendung "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" regelmäßig vor den windigen Tricks unseriöser Geschäftemacher. Gerade für barrierefreie Online-Lösungen sollte man eine solche Sendung ebenfalls einrichten und zum Pflichtprogramm für alle Verantwortlichen auf Entscheider-Seite machen. Um das Thema Barrierefreies Internet ranken sich viele Mythen und die Aufklärungsarbeit schreitet nur sehr langsam voran. Inzwischen sind die Schlagworte rund um Accessibility und Usability die neuen Buzzwords der Internet-Branche. Wirkliche Barrierefreiheit, wie sie beispielsweise beim BIENE-Award für Barrierefreies Webdesign gefordert und gefördert wird, bekommt man nicht "Out of the Box" sondern nur bei dafür ausgebildeten Webdesignern. Misstrauen Sie also vollautomatischer Barrierefreiheit oder ähnlichen vollmundigen Versprechungen.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob Barrierefreiheit mit Typo3 überhaupt möglich ist, ohne dabei ein Vermögen zu investieren. Eine eindeutige Antwort gibt es sicherlich nicht, generell ist Barrierefreiheit aber in jedem Fall möglich - es ist nur eine Frage der Anpassung und der Komplexität der Anwendung. Kommen wir zurück zu unserem Beispiel einer kommunalen Website mit Typo3 und der Frage, ob man ein derartiges Portal nachhaltig barrierefrei gestalten kann.

Barrierefreiheit & Qualitätsmanagement

Wenn man eine barrierefreie Website nicht auf Knopfdruck erzeugen kann, dann liegt es nahe, dass man einen Prozess in Gang setzen muss. Dieser Prozess beginnt nicht erst mit der Programmierung der Website und endet nicht mit deren Live-Schaltung, sondern beginnt mit der sorgfältigen Planung und Analyse und durchläuft am Ende die immer gleiche Schleife der Erstellung von Inhalten.

Der Faktor Mensch spielt im Prozess der Produktion barrierefreier Inhalte eine entscheidende Rolle. Daher muss der Produktionsprozess auch auf den Menschen abgestimmt sein. Das erreicht man nicht allein dadurch, dass man den Redakteur im Umgang mit dem Werkzeug schult. Entscheidend sind nicht etwa technische Features, sondern zielgerichtete Lösungen, die dem Redakteur die Arbeit mit dem Content Management System im Alltag erleichtern. Gemeint sind nicht allein hauptberufliche Redakteure, sondern jene Personen, die in Unternehmen und Institutionen für die Erstellung und Pflege von Internet-Inhalten verantwortlich sind. Wenn es gelingt, diesen Personenkreis nachhaltig zu entlasten, kann die gewonnene Zeit in Qualitätssicherung oder -verbesserung investiert werden.

Was aber ist mit Qualitätssicherung im Sinne der Barrierefreiheit gemeint? Jeder neue Inhalt, jede Veränderung in der Website, bedeutet gleichermaßen die Notwendigkeit zur Kontrolle des Gesamtergebnisses. Im Internet heißt dieser Teil des Prozesses Validierung. Damit gemeint ist die Überprüfung einer Internetseite (oder einer gesamten Website) auf Übereinstimmung mit den zugrundeliegenden Standards des W3C für HTML und CSS. Validiert eine Website, dann entspricht sie den verwendeten Standards. Das ist die Grundvoraussetzung für Barrierefreiheit. In der Praxis wird in höchstens 3% aller Fälle eine derartige Überprüfung durchgeführt und so wundert es nicht, dass laut der letzten Validome-Studie bei 96% aller Websites um die Standardkonformität schlecht bestellt ist, Barrierefreiheit also nicht gegeben ist.

Mit Typo3 war es in der Vergangenheit leider ebenfalls nicht ganz unproblematisch, standardkonforme Internetseiten zu erstellen. Schuld daran sind neben dem WYSIWYG-Editor vor allem die vielen Module, deren Ausgabe von HTML-Code nicht immer den Richtlinien des W3C entspricht.

Qualitätsverbesserung mit Typo3

Dabei ist es mit etwas gutem Willen und entsprechenden Modifikationen ohne weiteres möglich, standardkonforme Internetseiten mit Typo3 und jedem anderen Content Management System auszugeben. Dazu braucht es nicht immer komplexe Programmierungen. Häufig bedarf es nur weniger Anpassungen sowie Redakteuren, die bereit sind, qualitativ hochwertige Inhalte zu erstellen und dies auch selbständig zu überprüfen. Doch auch hier gilt: Die Technik kann unterstützen, aber der Mensch muss mitdenken und lenken. Ein paar pfiffige und nützliche Module können die Arbeit erleichtern und sogar automatische Korrekturen durchführen, zumindest in einem begrenzten Umfang.

Zukünftige Versionen von Typo3 und anderen Content Management Systemen werden dem Redakteur sicherlich noch mehr Arbeit abnehmen und somit Raum für Qualitätsverbesserungen schaffen. Im kommerziellen Bereich gibt es mit SiteBOp und Web Compliance Manager bereits zwei namhafte Werkzeuge, die diese Idee aufgegriffen haben. Für die Open Source Szene ist es sicherlich nur noch eine Frage der Zeit, bis es ähnliche oder sogar bessere Lösungen gibt, mit Tidy existiert zumindest ein Grundgerüst für ein derartiges Werkzeug. Wünschenswert wären derartige Tools allemal.

Schauen wir noch einmal kurz zurück auf die Validome-Studie: Wenn 96% aller Website nicht validieren, scheint etwas am Produktionsprozess nicht zu stimmen. Das wirft ein schlechtes Licht auf alle beteiligten Parteien, von der Agentur bis zum Redakteur. Erschreckend in diesem Zusammenhang sind Erfahrungen, die aus über 500 Barriere-Checks resultieren: Danach haben vor allem professionelle Dienstleister akuten Nachholbedarf. Das trifft sicherlich nicht auf alle Anbieter zu, aber wo Qualität an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, muss man diese Frage in den Raum stellen: Wie löst man das Qualitäts-Dilemma? Eine eindeutige Antwort müssen wir an dieser Stelle schuldig bleiben, zu vielschichtig ist das Problem.

Fazit & Ausblick

Typo3 und Barrierefreiheit schließen sich nicht aus, aber sie harmonieren nur dann, wenn der gesamte Produktionsprozess auf Barrierefreiheit ausgelegt ist - von der Planung, über die Integration bis zur Schulung der Redakteure.

Qualitativ hochwertige Websites entstehen in einem Prozess, der nicht allein durch technische Aufrüstung gelöst werden kann, sondern über Qualitätsarbeit auf allen Ebenen. Die Steuerung des Prozesses ist die eigentliche Herausforderung und wird von zu wenigen Dienstleistern ernst genommen, geschweige denn praktiziert. Auf der anderen Seite sind viele Kunden allzu leichtgläubig, vertrauen dem Urteil des Dienstleisters blind, frei nach dem Motto: "Wir haben ja einen Experten eingekauft." - ein trügerisches Urteil, wie die ernüchternden Zahlen belegen. Fragen Sie daher nach Referenzen und lassen Sie diese überprüfen oder sprechen Sie mit den Referenzen, respektive mit den Verantwortlichen. Auf diese Weise erhalten Sie einen guten Einblick, was gemacht wurde und wie es aus dem Blickwinkel des Kunden zu bewerten ist. Vielleicht fragen Sie bei dieser Gelegenheit auch nach Standardkonformität ... Sie werden überrascht sein.

24.11.05 | 08:49 Uhr | Ansgar | nach oben



Kommentare

Kurt Lochte schrieb am 25.01.06 um 15:56 Uhr:

Klasse! Ganz in meinem Sinne!

Dieser Satz in Ihrem Beitrag beschreibt eigentlich schon die ganze Problematik:

"Qualitativ hochwertige Websites entstehen in einem Prozess, der nicht allein durch technische Aufrüstung gelöst werden kann, sondern über Qualitätsarbeit auf allen Ebenen."

Es ist eine große Herausforderung und eine Pflicht seinen Kunden gegenüber in diesem Sinne zu handeln.

Viele Grüße


Thomas Heuer schrieb am 05.03.06 um 16:39 Uhr:

Zum Kommentar von Kurt Lochte:
Ich möchte dazu noch ein Zitat in die Runde werfen, zu dem mir leider der Autor unbekant ist:

"Barrierefreiheit kann man nicht kaufen!"

Dies trifft im Kern das oben gesagte.


Michael Hoffmann schrieb am 20.03.06 um 17:10 Uhr:

Ich möchte das geschriebene doch nicht unkommentiert stehen lassen. So schreiben Sie etwa "Häufig bedarf es nur weniger Anpassungen sowie Redakteuren, die bereit sind, qualitativ hochwertige Inhalte zu erstellen und dies auch selbständig zu überprüfen." In Typo3 kann der WYSIWYG-Editor (RTE oder HTML-Area) so konfiguriert werden, dass der Autor nur validen XHTML-Code erzeugen kann, d. h. man muss sich nicht unbedingt auf die Sorgfalt der Reakteure verlassen. "Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob Barrierefreiheit mit Typo3 überhaupt möglich ist, ohne dabei ein Vermögen zu investieren." Damit wird suggeriert das es ein komplexes Vorgehen ist, mit Typo3 eine barrierefreies Portal zu bauen. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben hier (http://www.24ix.de/Typo3_ba...) eine Schritt-für-Schritt Anleitung zum Bau einer barrierefreien Website mit Typo3 publiziert. Jeder durchschnittlich begabte Typo3-Entwickler sollte damit binnen Stunden das Grundgerüst einer barrierefreien Site erstellen können.
In der bald erscheinenden neuen Version Typo3 - Version 4.0 wird es nochmal einfacher.


Dennis Kuhl schrieb am 21.03.06 um 12:56 Uhr:

Ein sehr guter Artikel!

Das Thema bewegt mich nur zu oft in meiner Arbeit mit Typo3 und dem Kunden. Hier ist etwas Aufklährung wirklich angebracht. Das steigert nicht zuletzt die Qualität der Dienstleistungen in dieser Branche.

Grüße aus Heiligenhaus


Ansgar schrieb am 21.03.06 um 21:46 Uhr:

Herr Hoffmann: Technisch ist eine barrierefreie Website mit Typo3 absolut machbar - so wie mit jedem anderen halbwegs vernünftigen CMS auch. Aber Ihre Aussage "in wenigen Stunden" ist absolut vermessen und suggeriert, dass Barrierefreiheit ein Kinderspiel ist. Genau das ist es aber eben nicht.

Es geht nicht nur um technische Faktoren, sondern auch um eine inhaltliche Komponente und das Zusammenwirken aller Faktoren, also einen Prozess. Technik kann da bestenfalls unterstützend wirken, aber der Mensch muss in der Lage sein, die Technik zu beherrschen.


Sylke Wienold schrieb am 06.04.06 um 19:52 Uhr:

Herr Hoffmann, die von Ihnen verlinkte Site enthällt laut W3C-Validator 18 Fehler ....


NO SPAM schrieb am 02.05.06 um 10:22 Uhr:

@Sylke Wienold: Herr Hoffmann berichtete nicht, dass seine Seite Barierefrei sei! Abgesehen davon sind es 19 und nicht 18 Meldungen, diese sind lediglich "Warnings" und keine "Errors".

Diese Warnings die ausgegeben werden, sind nicht geschlossene -Tags, welche den Anspruch auf Barierefreiheit nicht entgegen stehen. Es ist nicht XHTML-Konform, da stimme ich zu, aber alle mir bekannten Screen-Reader und Tools werden auch damit fertig.


martin schrieb am 03.05.06 um 00:47 Uhr:

Den Artikel finde ich ein wenig unausgegoren und es scheint ein wenig Frust mitzuschwingen....?

In dem letzten Jahr ist bei TYPO3 ziemlich viel passiert was die Barrierefreiheit angeht (naja, vom Backend reden wir mal nicht;). Jedenfalls möchte ich mal behaupten, dass ein sauber konfiguriertes TYPO3 aus technischer Sicht Barrierefrei ist.

Das ein gutes Werkzeug in den falschen Händen auch nicht weiterhilft ist uns doch allen bewusst.

Das Barrierefreiheit im Kopf anfängt leider nicht - das wäre doch schön gewesen, wenn Sie das bei Ihrem Artikel herausgearbeitet hätten. Aber das hätte wiederum nichts mit TYPO3 zu tun gehabt.

Naja, wie sieht es denn mit den Nukes aus, was sagt Drupal, Wordpress usw.?

Richtig Interessant wäre doch ein ernsthafter Vergleich zwischen den von Ihnen beworbenen Produkten und TYPO3 gewesen. Das hätte mich Interessiert.

gruß,
martin


Ansgar schrieb am 03.05.06 um 15:39 Uhr:

Nein, es steckt gar kein Frust in diesem Artikel. Und bei aller Euphorie darüber, was bei Typo3 inzwischen in Gang gesetzt wurde, darf man nicht übersehen, was noch alles fehlt.

Richtig ist: Eine ganz einfache Installation ohne Module bekommt man barrierfrei oder zumindest barrierearm mit Typo3 umgesetzt. Sobald aber Module (zum Beispiel Kontaktverwaltung, Termine und andere schöne Sachen) ins Spiel kommen, muss man sich schon andere Dinge einfallen lassen.

Es geht ja auch nur um Typo3 an der Speerspitze, denn der Hype um dieses CMS ist ungebrochen. Ersetzen Sie Typo3 durch Nuke und die Aussagen behalten ihre Gültigkeit.

Etwas anders sieht es schon mit Drupal aus, aber auch dort offenbaren sich noch Schwächen.

Die Kernaussage des Artikels ist die: Kein CMS erzeugt Barrierefreiheit auf Knopfdruck.


Tim Lochmüller schrieb am 21.05.06 um 18:14 Uhr:

Hallo,

Ich kann dem letzten Fazit Paragraphen nur zustimmen. Es ist dabei schwer alles zu automatisieren, geschweige denn im nachhinein.

Was man Typo3 aber lassen muss, ist das es das macht was man ihm sagt. Und wie meine Vorredner schon gesagt haben kann man Typo3 auch sagen das der RTE validen Code machen soll und dann macht er das auch, ohne "wenn" und "aber".

Wenn der Ersteller aber schon am Template scheitert, dann hilft das natürlich auch nicht viel.

Es muss somit schon alles Hand in Hand laufen.

Beste,
Tim


David schrieb am 14.06.06 um 11:45 Uhr:

Nicht das CMS definiert die Barrierefreiheit einer Website. Schöner Artikel jedenfalls! :) David


Micha schrieb am 10.07.06 um 07:48 Uhr:

Ist die WAI-AAA-Konformität nach WCAG 1.0 eigentlich auch dann gegeben, wenn je eine Regel nach WAI-A und WAI-AA verletzt wird?

Ich denke man kann das immer so auslegen wie man will, aber im Grunde sollte die höhere Stufe doch auch nur dann angegeben werden, wenn die darunter liegenden erfüllt sind ;-)

Ich beziehe mich da eben auf die Seite, die vom Leser eben betrachtet wird

Error WAI-A: Use a descriptive D link in addition to LONGDESC.
Error WAI-AA: Make sure event handlers do not require use of a mouse.


Ansgar schrieb am 10.07.06 um 08:59 Uhr:

Nein, das sogenannte Triple-A (AAA) setzt alle anderen Stufen voraus, es kann also kein AAA ohne A geben.

Allerdings sind die von Ihnen angeführten "Fehler" das Resultat einer maschinellen Überprüfung und müssten eigentlich eher Warnungen sein. Ein D-Link ist auch in den WCAG nicht zwingend festgeschrieben, es ist mehr ein Resultat der mangelhaften Unterstützung des longdesc-Attributs durch diverse Hilfsmittel, Browser eingeschlossen.

Wir könnten auf diese Weise jetzt von Typo3 spielend zu Tests, Testmethoden und Zertifizierung überleiten und daran erkennt man auch, wie eng alle Dinge miteinander verknüpft sind und wie wenig automatisierbar Barrierefreiheit letzten Endes ist.


Sven Fischer schrieb am 05.02.07 um 21:32 Uhr:

Man kann natürlich mit Typo3 sehr gut barrierefreie Webseiten erstellen. Dennoch sollte der Einsatz gut überlegt sein, da Typo3 sehr mächtig und komplex ist. Daher ist es eigentlich am besten für mittlere bis große Projekte geeignet.

Gruß aus Hannover
Sven Fischer, webdesign-hannover.cc


dakota-pete schrieb am 16.04.07 um 23:14 Uhr:

Nun ja, Sie alle haben irgendwie Recht. Nur, was will der Kunde? Ein "billiges" CMS, das selbst im Kühlschrank oder dem Toaster läuft. Klingelt’s da bei Ihnen?

Barrierefreiheit - was ist das? Und dann noch in Verbindung mit einem Content-Management-System? Wer will denn schon Seiten für Rollstuhlfahrer oder Blinde "bauen" oder gar noch selbst pflegen?

Das ist leider das landläufige Verständnis dieser komplexen Materie jener Menschen, die glauben, Barrierefreiheit hätte ausschließlich mit ungehindertem Zugang für Behinderte zu tun. Leider weit gefehlt - wie Sie alle sicher wissen.

Typo3 mag seine Stärken haben, sicher. Aber, wie schon des Öfteren erwähnt, liegen in den Stärken auch die kleinen versteckten Fallen und damit auch deren Schwächen.

Man braucht nun mal Spezialisten, um dieses mächtige Tool zu "bändigen". Setzt man diesen Aufwand in Relation zu den eigenen Bedürfnissen und vergleicht dann mit den Features anderer CMSs, findet man sehr schnell heraus, dass nicht alles, das etwas kostet, auch teuer sein muss.

Ein gutes CMS, nach meinem Verständnis, bietet einem „normalen“ PC-Anwender die Möglichkeit, ohne Programmierkenntnisse seine Internetseiten zu pflegen – wenn nötig, auch barrierefrei. Das kann Typo3 definitiv so nicht. Auch die intuitive – oder selbsterklärende Arbeit mit diesem CMS ist meiner Meinung nach nicht gegeben.

In diesem Sinne, herzliche Grüße


Detlef Schäbel schrieb am 12.09.07 um 11:19 Uhr:

Hallo,

also aus den o.g. Gründen haben wir auf YAML-Basis ein Template so optimiert, das alle 3 AAA's gepassed werden. Da es auf YAML basiert kann es natürlich leit angepasst werden.

Es stimmt allerdings: wenn die Redakteure es verpfuschen..... dann nutzt auch die Technik nix.

MfG

Detlef Schäbel,


Joerg schrieb am 12.09.07 um 12:28 Uhr:

Hallo Herr Schäbel,

ein Template das garantiert ein Triple-A der Web Content Accessibility schafft ist natürlich eine Sensation, aber natürlich völliger Unsinn. Denn für ein Triple-A müssen sämtliche Prüfpunkte der Priorität 1 bis 3 erfüllt sein. Und viele Prüfpunkte der Priorität 3 sind abhängig von CSS-Vorgaben sowie von den späteren Eingaben der Redakteure: Was ist zum Beispiel mit ausreichenden Farbkontrasten von Vorder- zu Hintergrundfarben bei Bildern, Grafiken und Text? Was ist mit der Auszeichnung von Abkürzungen oder Sprachwechseln, was ist mit Themen, wie einfache Sprache und Strukturierung von Inhalten durch entsprechende Formatierung, wie Listen, Absätze, etc.? Was ist mit einer einfachen und stringenten Benutzerführung? Was ist mit einer logischen Tabulator-Reihenfolge auch bei Formularen und komplexen Datentabellen? Was ist mit Übersprungmarken?


Detlef Schäbel schrieb am 12.09.07 um 16:44 Uhr:

Hallo Jörg, wir können die technische Plattform schaffen und TYPO3 zähmen, das haben wir mit unserem YAML Template soweit geschafft. Der Rest ist ja mehr oder minder Redakteurskram, den man schwierig automatisch abfackeln kann. Wir können Extensions anpassen und kein Wissen ein in Menschen einproggen. Deswegen verkaufen wir das Ding ja auch an Agenturen, denn sie wissen mitunter, was sie tun.


Michael schrieb am 15.08.08 um 13:55 Uhr:

Naja, dieser Artikel ist ja schon recht alt, deshalb der Hinweis, daß es inzwischen problemlos möglich ist, barrierefreie Websites mit TYPO3 zu erstellen.


Ansgar schrieb am 18.08.08 um 11:09 Uhr:

@Michael: Der Artikel mag alt sein, aber "problemlos" ist es mit keinem einzigen CMS - auch nicht mit TYPO3. Zumal der Artikel nach wie vor im Punkt "Erweiterungen zu TYPO3" höchste Aktualität besitzt. Aber wie gesagt: Man ersetze TYPO3 durch Joomla, Drupal oder ähnliche CMS-Namen und es stimmt immer noch.


Dirk Förster schrieb am 08.05.09 um 20:04 Uhr:

Dieser kritische Artikel ist auf jeden Fall Anlass für jeden TYPO3-Entwickler, die eigene Vorgehensweise bei der Erstellung barrierefreier Webseiten noch einmal zu hinterfragen. Bei entsprechender Planung und der Bereitschaft bei allen beteiligten Entwicklern und Redakteuren, sich mit dem Thema Barrierefreiheit auseinanderzusetzen und das eigene Know-How in diesem Bereich regelmäßig zu aktualisieren und dann auch umzusetzen, sind barrierefreie Webseiten mit TYPO3 realisierbar. Dazu gehört unbedingt auch eine fortlaufende Qualitätssicherung, die nicht mit Abnahme des CMS durch den Kunden endet, sondern auch die laufende redaktionelle Arbeit überprüft. Wünschens- und lesenswert für barrierekompass.de wären aktuelle Fallstudien barrierefreier Webseiten, die mit TYPO3 und anderen Content Management Systemen umgesetzt wurden.


Hielscher Ultrasonics schrieb am 09.07.09 um 09:27 Uhr:

Das Grundgerüst für Barrierefreiheit wird in erheblichem Umfang durch die zugrundeliegenden Templates bestimmt. Hier sind die Entwickler und Designer bei jedem Projekt gefragt. Selbstverständlich ist auch eine Sensibilisierung der Redakteure für Aspekte der barrierefreien Formatierung erforderlich. Wenn dies berücksichtigt wird, ist Barrierefreiheit grundsätzlich keine Frage des eingesetzten CMS.


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