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Warum wir Bobby den Laufpass geben

In den achtziger Jahren sorgte ein Bobby für Furore in Deutschland. Zwischen Erdöl und Intrigen schlüpfte der Schauspieler Patrick Duffy in die Rolle des Bobby Ewing und agierte Woche für Woche in der sehr populären Fernsehserie "Dallas" neben anderen Größen des amerikanischen Filmgeschäfts. Jeder mochte Bobby. Bis zu seinem jähen Ende und dem damit verbundenen Abdanken aus der Serie durch seinen filmischen Tod.

Wer sich für barrierefreies Internet interessiert, wird den Namen Bobby auch schonmal vernommen haben. Gemeint ist jenes Prüfprogramm, das für die Überprüfung von Internetseiten zur Verfügung steht und den meisten Webseiten-Gestaltern ein Buch mit sieben Siegeln ist. Kryptische Kommentare zur eigenen Internetseite gehören ebenso zum Programm, wie eigenwillige Interpretationen der W3C-Richtlinien für barrierefreies Internet.

Sich an Bobby zu richten muss gar nicht verkehrt sein, zumindest nicht, wenn man ein dreifaches A als Button mit nach Hause nehmen kann, dass sogenannte "Triple A". Zwar muss man dafür einige Abstriche in Kauf nehmen, aber letztlich möchte man ja auch möglichst barrierefrei dastehen. Bisweilen muss man dazu allerdings bizarre Kreationen in den Quelltext einer HTML Seite integrieren.

Beispielsweise die unterschiedliche Benennung von Hyperlinks, die den gleichen Linktext enthalten. Also zum Beispiel "Beitrag kommentieren" in unserer Rubrik Aktuelles. Hier empfiehlt Bobby, jeden Link über das Title-Attribut zu unterscheiden, so dass sich ein Linktext à la "Link: Beitrag Nummer 68 kommentieren" ergibt. Doch damit nicht genug, denn auch der Text, dem der Link zugewiesen wird, muss geändert werden. So wird aus "Beitrag kommentieren" der Linktext "Beitrag Nummer 68 kommentieren". Die Hilfeseiten des W3C, die Internetgestaltern die Richtlinien der WCAG näherbringen sollen, kümmern sich darum wenig, wie im übrigen auch die wenigsten Gestalter von Internetseiten. Hintergrund der Bobby-Schikane ist ein durchasu nachvollziehbares Problem: Links mit einer Beschreibung wie "bitte hier klicken" fehlt für sehbehinderte oder blinde Menschen eine nachvollziehbare Erläuterung. Gleichnamige Links können diese Menschen daher durchaus in die Irre führen. Trotzdem führt Bobbys dogmatische Programmierung zu unsinnigen Fehlermeldungen. Denn es gibt durchaus Fälle, in denen gleichnamige Links Sinn machen würden. Wie in unserem Beispiel im Bereich Aktuelles: Unter jedem Artikel würde normalerweise "Beitrag kommentieren" statt "Beitrag Nummer 68 kommentieren" stehen.

Aber es geht noch schlimmer. Ähnlich bizarr wie Bobby aus der Fernsehserie "Dallas" verhält sich das Prüfprogramm seit einigen Wochen und weist <a name="dallas"></a>, also eine Sprungmarke in einer HTML-Seite innerhalb einer Seite, als Fehler aus. Merkwürdig nur, dass sich Bobby in seinem Test auch wünscht, dass man lokale Sprungmarken setzt, um innerhalb einer Seite zum Beispiel die Navigation überspringen zu können und so direkt zum Inhalt zu gelangen. Übrigens zeigt auch ein Verweis in der Fehlermeldung von Bobby auf Punkt 13.1 der W3C-WAI-Richtlinien keinen Hinweis auf einen Verstoß an. Im Gegenteil. Für uns bleibt also nur festzustellen, dass das Prüfprogramm Bobby zwar hilfreich ist, aber dem Profi einige Kopfschmerzen bereiten kann. Unter dem Strich ist es nur ein Programm, das tut, was Programmierer ihm eingeimpft haben. Auch wenn es keinen Sinn ergibt.

Diese und andere Kapriolen und Mißverständlichkeiten von Bobby haben dazu geführt, dass wir uns an dieser Stelle von einem treuen Wegbegleiter verabschieden und uns noch mehr dem Dialog mit Benutzern und Betroffenen widmen. Aber anders als in "Dallas" muss Bobby nicht sterben, um auszuscheiden. Es gibt wichtigere Faktoren, als ein "Triple A" als Auszeichnung auf der Seite - Menschen. Wir freuen uns immer über Anregungen und Verbesserungsvorschläge, um in Punkto Barrierefreiheit richtungweisend zu bleiben. Nutzen Sie unser Umfrageformular, damit wir kontinuierlich besser werden. Im Sinne Ihrer Barrierefreiheit.

Vielleicht kehrt Bobby ja wieder zurück. Wie einst in "Dallas". Bis dahin sagen wir leise Servus und entfernen den Bobby-Button von unserer Seite.

28.01.04 | 07:23 Uhr | Ansgar | nach oben



Kommentare

Krystyna Faul schrieb am 24.08.04 um 02:51 Uhr:

Barrierefreiheit ist für mich im Moment auch ein ernstzunehmendes Thema und befasse mich, mit den verschiedensten Studien und Ergebnissen. Was mich allerdings immer wieder wundert, dass man auf verschiedene Websiten per Google kommt, um etwas über Barrierefreiheit zu erfahren und möglichst auch umzusetzen. Ich möchte auch gerne behinderten Menschen entgegenkommen. Endlich was gefunden und die Hyperlinks führen mal wieder auf eine englische Site. Schon wieder so ein Erfolgserlebnis. Klasse. Warum denkt man eigentlich nicht an die Generation, wo Englisch noch nicht Pflichtfach war? Wieviele Millionen Menschen gibt es denn davon? Ich gehöre auch dazu und W3C und andere Siten [auch Bobby sowieso] kann man ohne etwas erfahren zu haben, getrost schließen. :-)

Hier wird schon mal ein Kurs in Düsseldorf angeboten. Was mach ich mit meinem Dad, der ein Pflegefall ist? Betreuung suchen? Ich bin mir sicher, dass ich meine Informationen auch ohne Kurs bekommen werde.

Trotzdem viel Erfolg.


Ansgar schrieb am 24.08.04 um 13:01 Uhr:

Wir geben uns bei all unseren Beiträgen sehr viel Mühe, die Inhalte barrierefrei aufzubereiten. Dazu gehört auch die Verlinkung deutschsprachiger Inhalte, zumindest, sofern es hierzu eine entsprechende Seite gibt. Bobby ist da leider noch eine Ausnahme, die es in dieser Form nicht im deutschsprachigen Raum gibt. Leichter verständlich ist ohnehin unser kostenloser Barriere-Check unter http://www.barrierekompass....


Waldemar Tauchnitz schrieb am 15.10.04 um 17:07 Uhr:

Hallo Krystyna Faul, Sie sind ein Mensch, der mir aus dem Herzen spricht. Ich bin einer von den Jahrgängen, die Englisch noch nicht zum Pflichtfach hatte. -
An meiner Dienststelle habe ich mich mit Datenverarbeitung beschäftigt. 1992 musste ich, aus gesundheitlichen Gründen, in den Ruhestand gehen. Seither beschäftige ich mich mit meinem PC. - Dann wurde meine Frau krank, ich konnte lange Zeit das Haus kaum verlassen. In dieser Zeit habe ich viel in den Mailboxen geschrieben. Später habe ich mich dann mit html beschäftigt, meine erste Webseite ging am 28. Mai 1998 in das IN. Ich bekam mit behinderten Menschen Kontakt. Daraufhin habe ich meine Webseiten mit html und css erstellt, allerdings noch nicht ohne Tabellen. Nun bin ich dabei, meine Seiten ein weiteres Mal umzuschreiben, da ich vom barrierefreien Design gehört und gelesen habe. Also noch mal lernen! - Alles, was ich heute, ich bin bald 71 Jahre alt, vom PC, html, xhtml, css usw. verstehe, habe ich aus Büchern und von Webseiten mit meinen "Augen gestohlen". Es ist nicht schön, dass deutsche Autoren oft ihr Webangebot in englischer Sprache ins IN bringen. :( Für mich eine riesige Barriere!

Über jede Seite in DEUTSCH freue ich mich, denn sie kann und wird nicht nur mir, sondern vielen meiner Altersgenossen eine echte Hilfe sein, um unsere Seiten in barrierefreies Design zu schreiben. Meine Bitte an ALLE Webmaster: >>Denkt an die Anderen!<< und schreibt Eure Seiten in deutscher Sprache und in barrierefreies Design.

Danke für die Seite hier von http://www.barrierekompass.de


Stefan Barisch schrieb am 20.06.05 um 09:48 Uhr:

Weshalb spielt im Dallas-Remake nicht wieder
Barbara Bel Geddes die wichtigste Stammrolle der Miss Ellie ?
Oder den J.R. Ewing III. mit Omri Katz?
Auf alle Fälle sollten Charlene Tilton und Leigh Mc Gloskey( Lucy und Mitch Cooper) mit ihren
drei halbwüchsigen Fernsehkindern Cooper
auf Southfork einziehen und somit der neue Familienclan darstellen. Bitte um Stellungname.


Astrid schrieb am 28.10.06 um 00:21 Uhr:

Durch Zufall habe ich Ihren Artikel - Abschied von Bobby gelesen. Ich muss sagen, dass ich froh bin, ihn gefunden haben. Denn, ich habe gerade eine meiner Seiten mit Hilfe von Bobby getestet und erneute Depressionen ;-) was das Ergebnis betrifft erlitten. Trotz valid XHTML strict bekam ich ich ein paar sehr fragwürdige Warnungen.

Zum Beispiel wurde mein einzigstes Bild bemängelt, welches angeblich weder in Höhe noch in Breite ausgezeichnet sein soll. Dieses Bild hat aber Größenangaben via style, was, soweit mir bekannt, ja erlaubt ist. Wen das also stören könnte, frage ich mich gerade. Darüber hinaus waren mir einige Warnungen völlig unverständlich. Trotz eigentlich recht guter Englischkenntnisse weiß ich beim besten Willen nicht, was Bobby mir sagen möchte.

Umso erfreuter bin ich, dass mir der Check bei http://www.barrierekompass.de keine weiteren Hinweise hinterlassen hat. Vielen Dank für diesen Service, welcher mir sehr sinnvoll erscheint.


Michael schrieb am 29.06.09 um 13:26 Uhr:

Mich hat Bobby immer wieder zum Verzweifeln gebracht, bis ich mich schließlich Kopfschüttelnd abgewendet habe von der barrierefreien Programmierung. Entsprechend wohltuend dieser erleuchtende Beitrag hier.


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